Buschbaer's blog
Vom 07.10. bis zum 10.10.2011 starteten die beiden Dortmunder Segelclubs des Universitäts-Segel-Club e. V. (USC) Dortmund und des Yachtclub Phoenixsee e. V. (YCP) das erste gemeinsame Projekt, einen Segeltörn auf 3 holländischen Lemsteraaks (Traditionssegler) auf den holländischen Randmeeren.. Das nasskalte Wetter, der stark böige Wind und die traditionelle Bedienung dieser wunderschönen Rundbodenschiffe, erforderte die volle Kraft und das segeltechnische Können der Besatzungen. Beide Clubs waren vom gemeinsamen Unternehmen trotzdem begeistert und wollen es unbedingt wiederholen.
Hier der Link zum Film:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=iT-zpI1Hsjg
Viel Spaß dabei wünscht Euch Buschbaer
Moin Ihr Bären,
kennt Ihr eine Lemsteraak? Nicht? Dann geht es Euch nicht anders als mir bis zum Juni 2011. Zwar bin ich ein Liebhaber von Traditionsschiffen aber Plattbodenschiffe auf dem Ijsselmeer interessierten mich nicht die Bohne. Die Klötze mit ihren "Stützrädern" sehen zwar toll aus, sind aber eher etwas für Schulklassen und Kegelclubs, dachte ich immer, wie gesagt, bis zum Juni 2011.
Zu dieser Zeit bekamen ich und 7 weitere Leidensgenossen, als Dank für unsere Tätigkeiten als „Seebärennachwuchsdomteure", von der Admiralität des USC eine Skipper-Spezialausbildung auf einem dieser 18 Meter langen Auftriebskörper mit 2 Krücken, auf dem Ijsselmeer. Genauer: Heech by de Mar in Holland. Der Jubel hielt sich in Grenzen.
„Nun, es sind ja noch 7 weitere Opfer, die unsere nautische Obrigkeit auserwählt hatte. Geteiltes Leid ist halbes Leid ", dachte ich.
„Ok Junge, vor dieser Danksagung kann ‘ste Dich jetzt nicht drücken, sonst haste schlechte Karten beim Smutje", dachte ich mir. Aber diese Skrupel hatte wahrscheinlich nur ich allein; -denn, noch am letzten Tag vor der Übernahme sagte der letzte Bärenpfleger ab. Aus unserer stolzen Crew verblieben nun nur noch 4 alte Salzbuckel: Nobert Schulze (C-Patent), Helmut Presber (C-Patent) Hajo Runge (C-Patent, Herr der Meere) und ich, zusammen mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren, wobei ich mit 57 der Moses war, ein Grünschnabel mit SSS-Schein.
Wie üblich, erwies unser Admiral mir die Ehre, mich in meinem bescheidenen Geschoss nach Heech by de Mar zu begleiten. Bevor wir diesen „Kohlenkasten" unter unser Kommando stellen wollten, hatten wir noch ein Refit und ein wenig Segelkram auf unserer "Antares" durchzuführen, um sie dann dem Gutachter vorzustellen. Als dieser schwitzend, bei wunderschönem Sonnenschein und gut gelaunt ankam, entschlossen sich Norbert, Helmut und ich spontan, nicht mehr länger Hajo vor den Füssen herumzulaufen. Wir opferten uns also und besuchten „Frau Vinsterer", wo es den besten Fisch und das leckerste Bier von ganz Holland gab. Unseren Verbleib erklärte Helmut Hajo über Handy. Seine Schilderungen über den Verlauf des Gutachtens konnten wir alle gut mithören, obwohl Helmuts Handy keinen Lautsprecher hat.
Am nächsten Tag war es nun soweit. Wir fuhren nun einen Hafen weiter, zur Übernahme des „Treibguts". Da lag sie nun, eine schneeweiße wunderschöne Lemsteraak mit Butzenscheiben und polliertem Holz. Geschätzte 20 Meter mit Klüverbaum und 7 Meter Breite. Ein Mast bis zu den Sternen, mindestens 24 Meter hoch. An Bord alles vom Feinsten, Gemälde an den Wänden, Messinglampen, komplette Küche statt Kombüse, Badezimmer statt Toilette, für Norbert : Schlafzimmer mit Doppelbetten statt Kojen. Platz für 12 Personen und das für 4. Luxus pur. Ich fühlte mich auf einmal, wie in der Halle D mit den Luxusyachten auf der Boot2011.
Unser Admiral und Smutje Hajo R. ließ es sich nicht nehmen, uns in die Finessen und die Techniken dieses kostbaren Schmuckstückes einzuweisen. Natürlich einschließlich einer 60 minütigen Führung durch seine Wirkungsstätte, die Küche, unter Schilderungen von möglichen Zubereitungen der Köstlichkeiten, die diese Einrichtung einem bieten würde.
Der Wind frischte auf und wir legten bei 5 Bft mit der „RONDE WALVIS" ab. Auf das vorhandene Bug- und Heckstrahlruder konnten wir, dank unserer Erfahrungen" verzichteten.
Wer meint, wie ich vorher auch, dass diese Plattbodenschiffe träge sind, der irrt sich gewaltig. Der Pott ging ab wie Schmitzens Katze und lässt spielend jede Yacht in seiner Größe stehen. Als die Besegelung stand, erfasste mich eine gewisse Ehrfurcht vor den riesigen Leinwänden, die dem Schiff eine anmutige Schönheit verlieh.
Butterweich legten wir am Abend an der Hafenpromenade in Stavoren, bei tollem Sonnenuntergang, an. Hajo verwöhnte uns wieder mit Köstlichkeiten, die eigentlich nur Hajo und ich zu schätzen wussten: Gambas mit Knoblauch, Oliven und Weißbrot. Ein Genuss für uns, eine Qual für die beiden anderen. Natürlich fehlte ein Bummel zum Hafen nicht. Zirka 1/2 Stunde hielten wir uns vor einem großen Fenster auf, um ein ausgestelltes Kunstobjekt intensiv zu studieren. Es stellte zwei aufreizend (un)gekleidete weibliche Objekte in Frontansicht dar, dessen Aussagekraft wir erst einmal tief auf uns wirken lassen mussten. Leider hatte ich meine Kamera an Bord bei Norbert gelassen, der wegen seines Fußleidens den Kunstgenuss verpasst hatte. Also holte ich sie, um auch Ihn an der Ausdrucksform dank digitaler Technik, teilhaben zu lassen. Als ich nun vor dem Kunstobjekt stand, stellte ich fest, dass es ein Aktionsmodell war, dass mir zum Verdruss, nur noch die Hinteransicht zeigte, die, ich muss gestehen, auch noch gewisse Ausdruckskraft hatte. Norbert war zumindest zufrieden.
Am nächsten Tag, auf dem Törn nach Enkhuizen. Kreuzte eine Regatta von 38-Fußschiffen unseren Kurs, mit 2 Reffs im Segel oder nur mit Genua, auf der Scheuerleiste fahrend. Und wir... bei Windstärke 7 segelt man auf der Lemsteraak so sicher, wie bei Muttern im Schoß, zugegeben mit leichter Krängung. Segeln als reines Abenteuer. Ich bin heute ein überzeugter und begeisterter Fan von diesen Schiffen und kann nur sagen: Segelt sie und Ihr werdet mich verstehen.
Die Lemsteraak hat keine Plattboden- sondern eine Rundbodenform. Sie ist deshalb ein Raumwunder und sehr stabil. Die Bauweise hat sich seit 200 Jahren nicht verändert und wird heute noch immer so gebaut. Das zeugt von einer bewährten Bauart, die sowohl für die Binnen- und Kanalfahrten geeignet ist als auch für die Küsten und Wattenmeere.
Mast und Schotbruch
Buscbaer , den 18.07.20011
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Über den Wind können wir nicht bestimmen aber wir können die Segel richtig setzen.


