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Die Hohe Kunst der Schleusenmanöver

 
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Lumpi

posts: 8

Sep 21, 2011 15:56    Quote
Points: 0   Vote

von Buschbär


Ein (nicht ganz ernst zu nehmender) Gedankenaustausch per eMail ...
(Fotos folgen noch.)

Buschbär

Hallo Hajo,

In den beiden linken Bildern sieht man deutlich, wie man sich korrekt in einer Schleuse verhält. Im rechten Bild dagegen sieht man das genaue Gegenteil bei den beiden hinteren Schiffen, wohingegen das vordere Schiff ein vorbildliches Schleusenmanöver durchführt. Besonders achte man auf das hinterste Schiff, das im Begriff ist, sich entgegen der Fahrtrichtung zu bewegen. Was natürlich gegen alle Regeln der Seemannschaft verstößt J.

Comodore

Hallo Gerd,

nein, das ist so nicht korrekt dargestellt: In der Tat sieht man in den beiden linken Bildern das schulmäßige traditionelle Anlegen in einer Schleuse, im mittleren Bild korrekt parallel zur Pier von der „Kaboom“ dargestellt. Das rechte Bild zeigt das schulmäßige und für die Segeleleven „geplantes“ Verhalten in Formation von 2 Schiffen bei Widrigkeiten in einer Schleuse und wie man sich entsprechend befreit. Heutzutage muss man den Segelschülern alle Möglichkeiten von Eventualitäten zeigen, damit sie für ihre eigene Zukunft als Schiffsführer gewappnet sind.

Also: Alles eine Präsentation der Sichtweise!

Comodore:

Hinzuziehung von Lumpi (Frank Lumpe) in den Mailverkehr auf höchstem Niveau

Hallo Frank,

nachstehende E-Mail  von Gerd Buschmann mit Kommentar und mit Anlagen bezügl. Korrekt-geführter Schleusenmanöver auch an Dich zur gefl. Ansicht, da Du an diesem Schleusenmanöver auch beteiligt warst.

Lumpi

Moin Hajo, hallo Gerd,

ich will ja nur mal klarstellen: WIR (also Hajo und ich) haben Gerd ja nur den Rücken frei geblockt, damit ihm nicht irgendwer von den anderen Chaoten in der Schleuse achtern in die Karre rauscht. DAS nenne ich ECHTE Seemannschaft ... ;-)))

Buschbär

Hallo Ihr Beiden,

wie kann ich Euch nur danken? Das sind ja absolut neue Aspekte. Aus Eurer Sicht sind also das geschickte Querlegen und die "Reschleusung"  strategisch durchdachte Schleusenmanöver, die zum "Manöver des letzten Augenblicks" zählen.

In unserem nächsten SKS-Praxiskurs müssen wir unbedingt die Manöver der "Quer- und Reschleusung" unbedingt einbauen. Eine entsprechende

Lumpi

Hallo zusammen,

ich würde den Begriff "Reschleusung" durch "Schutzschleusung" ersetzen. Ist aber im Prinzip eine "Blockschleusung". Bei zwei beteiligten Schiffen, die den sogn. "Schutzblock" bilden, spricht man dann von einer "Doppelten Blockschleusung". Um Verwechselungen zu vermeiden, hat der Gesetzgeber (Das hohe Friesische Seegericht) den Bergriff "Doppelte Blockschutzschleusung" in die Gesetzesliteratur aufgenommen. In Übereinstimmung mit dem BPR (nur auf NL Binnengewässern gültig) ist in diesem Falle (wie auf dem Foto zu sehen, die Lichterführung analog Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang / unsichtiges Wetter anzuwenden.

Ich bin gerne bereit, die SKS-Ausbildung hinsichtlich dieser Neuregelungen (gültig erst ab 04/2010) um ein paar Seminareinheiten zu bereichern.

Dies geschieht natürlich - im Sinne guter Seemannschaft - rein ehrenamtlich. Die mir entstehenden Fahrtkosten bitte ich in Flüssignaturalien zu erstatten.

Comodore

Hallo Lumpi,

nochmals: Da bin ich als alter Ausbilder rein von den Socken! Nur so kann man das kommentieren! ;-)) Warum fällt mir das nicht ein? In meiner Ausbildung an der Seefahrtsschule in Bremen wurde dieses Problem leider nicht genügend berücksichtigt. Dies wird mit Sicherheit nunmehr Inhalt der SKS-Ausbildung im USC werden müssen. ;-))

Buschbär

Liebe alten Ausbilder,

in zwei Dingen bin ich nicht ganz einverstanden mit Eurer Lehrbuchplanung.

1.            Ich bin älter als Lumpi.

2.            Das Blockschleusen von Lumpi geht voll in Ordnung. Dagegen dient doch die "Reschleusung", also das Rückwärtsschleusen entgegen der Hauptschleusenrichtung, einem ganz anderen Zweck.

Der 2. Punkt ist  mir dabei aber nicht ganz klar geworden. Das liegt wohl an meiner mangelnden Ausbildung und Erfahrung.

Hajo, vielleicht erklärst Du mir noch einmal genau Dein Manöver. Aus meiner Sicht ist der Ablauf wie folgt:

- Die Vorbereitung: Nachdem die Schleuseneinfart freigegeben wurde, noch mehrere zügig enge Warterunden kurz vor dem Tor drehen, bis das Schleusenwärterkommando "nicht mehr einfahren" über Lautsprecher ertönt.

- Durchführung: Mit dem "Manöver des letzten Augenblicks" einfahren.

- In der Schleuse: Zuerst "Blockschleusen" durch spontanes Querdriften und danach fließend übergehen in die "Reschleusung", also die in der Schleuse eingeschlagene Rückwärtsschleusung.

Nun meine Frage: Dient dieses geschickte Manöver zum Schutz der Flottille oder zum besseren Ablegen und Ausfahren? Dreht man sich noch einmal in der Schleuse beim Ausfahren?

Über die genau Erklärung würde ich mich sehr freuen.

Comodore

Hallo Gerd,

das Manöver ist im Grunde genommen ganz einfach: Den Vorgang hast Du richtig beschrieben, aber der Zweck ist auch ganz einfach: Im Regelfall stehen ja immer viele Leute an den Schleusen, weil über die Schleusen bekanntermaßen Brücken liegen. Damit die Wartezeit für diese Leute und für alle Schiffscrews in der Schleuse nicht zu lange wird, ist es notwendig, für etwas Unterhaltung zu sorgen:

Der Übergang vom „Blockschleusen“ zum „Reschleusen“ ist wie der Übergang eines doppelten Rittbergers, ähnlich beim Eislaufen, da ja man mit der gleichen Kufe abspringt und auf der gleichen Kufe wieder landet. Je nach Breite der Schleuse sollte es so sein, dass man in der Schleuse nochmals komplett dreht, um wieder seine Steuerbordseite an der rechten Seite der Schleuse zu haben.

Da aber diese Schleuse nicht die erforderliche vorgeschriebene Breite für das o. g. Manöver hat, aufgrund einiger anderer Schiffe, die trotz Ankündigung des Manövers vor der Schleuse, sich einfach in die Schleuse drängten, musste der Vorgang zum Leidwesen der Zuschauer unterbrochen werden, d. h. man bricht mitten im „Sprung“ ab und zieht das Boot wieder mit Hilfe eines alten Kanalschipper-Tricks, nämlich Bug an die Mauer, Vorwärtsgang rein und Hartruderlage nach Steuerbord, dann dreht das Schiff durch diesen Drehpunkt in die alte Richtung, wie geschehen.

Da das Manöver leider nicht ganz korrekt durchgeführt werden konnte (siehe „Blockschleusen“ zum „Reschleusen“) gab es zu meinem Leidwesen Punktabzüge. Gelingt es dem Schiffsführer, das Manöver, wie oben beschrieben, korrekt und in Gänze durchzuführen und er fährt sogar rückwärts aus der Schleuse, redet man vom eingesprungenen Rittberger, in diesem Fall von der Verwirbelung des „Blockschleusens“ über das „Reschleusen“ zum „Achterschleusen“. In diesem Fall wird die volle Punktzahl erreicht.

In beiden Fällen dient das o. g. Manöver zum Schutze der Flottille gegen evtl. Nachrücker mit hohem Vergnügungswert aller Beteiligten, damit zur guten Stimmungslage aller beteiligten Crews. Schließlich sollen sie später am Stammtisch von ihren „Erlebnissen“ berichten, welch gute Ausbildung sie im Rahmen der Seemannschaft erhalten haben.

Grundsätzlich bedarf es aber langjähriger Erfahrung, um ein solches Manöver korrekt durchführen zu können.

Buschbär

Liebe alten Salzbuckel,

allen Beteiligten meinen herzlichen Dank für die Bereicherung unserer Ausbildung!

Ich fasse also unser Ergebnis für die Veröffentlichung zusammen:

Die hohe Kunst des Schleusens

Schutzschleusung Taktisches Schleusenmanöver

Blockschleusung Querdriften eines einzelnen Schiffes innerhalb einer Schleuse,

zum Schutz bereits eingeschleuster Schiffe vor nachkommenden Schiffsverkehr

Doppelte Blockschleusung

Querdriften zweier Schiffe (Blockbildung) innerhalb einer Schleuse, zum Schutz bereits eingeschleuster Schiffe vor nachkommenden Schiffsverkehr

Reschleusen Blockschleusung mit anschließender 180 Grad Drehung, entgegen der

Hauptschleusenrichtung. Wird durch Punktrichter bewertet und dient als Kür der hochqualifizierten Segelschule.

Achterschleusen Direkte Ausschleusung mit Heck voraus innerhalb der Schleuse. Ist die Hohe Kunst des Schleusenmanövers und wird mit Höchstpunktzahl bewertet.

Lumpi


Hallo Skipper,

soweit alles korrekt dargestellt. Um für zukünftige Seminare in diesem Fachbereich gewappnet zu sein, sollte auch der Begriff der "Reeschleusung" (sehr richtig: mit zwei e!!!) nicht unerwähnt bleiben. Alle im bisherigen Mailverkehr genannten und erläuterten Manöver sind in Friesland seit langer Zeit bekannt und werden ständig weiter entwickelt.

Die unangefochtene Königsdisziplin ist jedoch - in Kombination mit der "Doppelten Block-Schutzschleusung" (Der Gesetzgeber erlaubt mehrere Schreibweisen) - die unter Segeln gefahrene "Reeschleusung"mit Richtungsänderung. (Daher der Name "Ree") Aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades sollte jede Gelegenheit zum Üben wahrgenommen werden. Bevorzugte Trainingsareale sind z.B. enge und überfüllte Häfen. Ein schönes Beispiel hierfür ist auf dem beigefügten Foto zu sehen. Hier versucht der Skipper einer roten Fox im Hafen von Elahuizen mit gesetztem Großsegel RÜCKWÄRTS GEGEN !!! den Wind (also platt vorm Laken, halt nur andersrum, also "Ree" ... oder Re und dann Ree ???) , UND unter Maschine!!! die gekonnte Drehung einzuleiten um dann den Hafen zu verlassen. (Wahrscheinlich Richtung Stavoren um das Gelernte dann auch gekonnt anzuwenden). Wie ber. von Hajo völlig korrekt erwähnt, waren alle Hafenkinobesucher schwer beeindruckt ...  und ich auch ;-)

Handbreit,

Lumpi

PS: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten...

Buschbaer

posts: 2

Oct 20, 2011 16:34    Quote
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Genau so Lumpi! Schickst Du die Lehranweisungen zu Overschmidt und Bark oder besser ich mach das!!

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